EMDR – Intensivbehandlung in der Phoenixseeklinik

Was ist EMDR?

Bei EMDR handelt es sich um ein Zusatzverfahren der Psychotherapie zur Behandlung von Traumafolgestörungen. Bei der EMDR-Traumatherapie geht es darum, mittels Augenbewegungen eine beschleunigte Verarbeitung der traumatischen Erinnerung zu bewirken.

Wie wurde EMDR entwickelt?

Francine Shapiro hat die EMDR-Methode im Frühjahr 1987 „zufällig entdeckt“ (Shapiro, 2013):

„Als ich eines Tages durch einen Park ging, merkte ich, dass gewisse belastende Gedanken, die mich verfolgt hatten, plötzlich verschwanden. Außerdem fiel mir auf, dass diese Gedanken, wenn ich sie mir absichtlich wieder in Erinnerung rief, nicht mehr so belastend und so real bedrohlich auf mich wirkten wie ursprünglich.

Aufgrund früherer Erfahrungen wusste ich, dass belastende Gedanken sich gewöhnlich ständig wiederholen, so als würde ein Endlosband immer wieder abgespielt werden, bis man bewusst etwas unternimmt, um dies zu unterbinden oder die Gedanken zu verändern. Was mich in diesem Fall verblüffte, war, dass sich die belastenden Gedanken in diesem Fall verändert hatten und verschwunden waren, ohne dass ich bewusst etwas unternommen hatte, um dies zu erreichen. (…)

Ich merkte schließlich, dass immer dann, wenn mir belastende Gedanken kamen, meine Augen spontan anfingen, sich sehr schnell in einer Diagonale hin- und her zubewegen. Danach verschwanden die Gedanken und wenn ich sie mir bewusst erneut vergegenwärtigte, war der mit ihnen verbundene negative Affekt stark verringert.

Nachdem ich dies festgestellt hatte, fing ich an, die Augenbewegungen absichtlich zu vollführen, während ich mich jeweils auf bestimmte belastende Gedanken und Erinnerungen konzentrierte. Auch bei diesem absichtlichen Einsatz der Augenbewegungen verschwanden die betreffenden Gedanken und verloren ihren belastenden Charakter.“

Daraufhin veranlasste Francine Shapiro weiterführende Untersuchungen und verfeinerte die Methode anhand von Studien.

1995 stellte Francine Shapiro schließlich die acht Phasen der EMDR-Behandlung vor. Seitdem haben sich viele wissenschaftliche Arbeitsgruppen mit der Thematik auseinandergesetzt und zur Weiterentwicklung der EMDR-Traumatherapie beigetragen.

Für wen ist EMDR geeignet?

Zunächst setzte man EMDR ausschließlich als Traumatherapie ein. Mittlerweile wurde das Einsatzgebiet der EMDR-Technik deutlich ausgeweitet – zunächst auf Anpassungsstörungen und komplexe Trauer und mittlerweile auf Phobien, Panikstörungen, Zwangsstörungen und Depressionen.

EMDR “heilt” diese Störungen allerdings nicht, sondern reduziert bestimmte Symptome, die im Rahmen dieser Störungen vorkommen. EMDR hat also weiterhin den Stellenwert einer zentralen Behandlungsmethode für Menschen, die an Traumafolgestörungen leiden, und kann bei weiteren Störungen die Therapie zumindest unterstützen.

Wie läuft eine EMDR-Behandlung ab?

Zur EMDR-Behandlung hat sich ein Standard mit acht Behandlungsphasen herauskristallisiert:

1. Phase: Anamnese und Behandlungsplanung

Z.B. Traumalandkarte mit den zehn am stärksten belastenden Lebensereignissen; Bilden von sogenannten “Ereignisclustern”, um die Zielereignisse für die EMDR-Sitzungen zu definieren; Ressourcenfeststellung; psychometrische Testung zur Symptomausprägung;

2. Phase: Vorbereitung und Stabilisierung

Insbesondere Vertiefung der therapeutischen Beziehung; individuelle, störungsspezifische Psychoedukation; Erlernen von Selbstregulationsfähigkeiten (z.B. Etablieren eines “sicheren Ortes”, “Tresorübung”).

3. Phase: Bewertungsphase

Hier werden Bilder, Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen zum traumatogenen (also das Trauma auslösenden) Ereignis in Verbindung gebracht und in ihrem Belastungsgrad bewertet. Auf der anderen Seite werden auch positive Gedanken – “das, was sein könnte oder sollte” in ihrem Wahrscheinlichkeitsgrad bewertet. Im Laufe der Behandlung ist dann sehr plastisch sichtbar, wie die Belastung abnimmt und wie die positiven, stärkenden Gedanken näher kommen und sich “realer” anfühlen.

4. Phase: Desensibilisierung und Reprozessierung

In dieser Phase kommt die “Technik” zur Anwendung, für die EMDR in der Öffentlichkeit bekannt ist. Die Therapeutin (w/m/d) leitet Sie an, rasche Blickwechsel von Seite zu Seite zu machen, während an das mit dem Trauma verbundene Bild gedacht wird. EMDR erschöpft sich nicht in dieser Situation, denn auch in der Phase von “Desensibilisierung und Reprozessierung” sind Sie mit Ihrer Therapeutin in Kontakt und je nach Erlebensmoment kann es zu verschiedenen Interventionen Ihrer Therapeutin kommen.

5. und 6. Phase: Verankerungsphase und Körpertest

In diesen Phasen geht es darum, die Verankerung positiver Empfindungen im Erleben zu fördern und negative Empfindungen weiter zu bearbeiten. Da sich das traumabezogene Erleben auch körperlich äußert, wird mittels einer „Wanderung“ durch den Körper überprüft, ob sich noch körperliche Phänomene zeigen. Diese werden dann mittels Augenbewegungen bearbeitet.

7. und 8. Phase: Abschlussphase und Überprüfung / Evaluation
Wie und warum wirkt EMDR?

EMDR ist ein effektiver Baustein im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes, aber kein Allheilmittel. Besonders wertvoll ist das Verfahren, wenn es von Psychotherapeuten (m/w/d) angewendet wird, die zuvor bereits über einen breiten Erfahrungsschatz verfügten und diese Methode integrieren. Stärke und Schwäche des Verfahrens zugleich ist der lückenhafte theoretische Unterbau. Eine Stärke ist dies, weil somit die EMDR-Methodik wenig empfänglich für dogmatische Überlegungen ist. Sie bleibt anwendungsbezogen. Ein Nachteil liegt darin, dass der für die Anerkennung des Verfahrens zuständige Gemeinsame Bundesausschuss EMDR nicht als Psychotherapieverfahren, sondern “nur” als Behandlungsmethode eingestuft hat. Bis heute existieren einige Modelle, die erklären sollen, wie EMDR wirkt – diese sind jedoch zum Teil spekulativ bzw. hängen von verschiedenen Grundannahmen ab.

Wir möchten dennoch einen Versuch machen, Ihnen zu erklären, was hinter dem “Rätsel EMDR” liegt. Hierzu lassen wir alle Grundannahmen weg, die man nicht zwingend zur Erklärung der Wirksamkeit benötigt. Dann ist – beschreibend – Folgendes festzuhalten.

Jeder Mensch weiß, dass “Multitasking” nur begrenzt möglich ist. Diesen Umstand machen wir uns bei dem EMDR-Verfahren zunutze. Während Sie sich auf die Handbewegungen Ihrer Therapeutin konzentrieren, ist also ein Teil Ihrer Aufmerksamkeit gebunden. Die Therapeutin sitzt zudem seitlich versetzt in Ihrer Nähe, dadurch erfahren Sie Unterstützung und Sicherheit. Ein Teil Ihrer Aufmerksamkeit ist jedoch konstant auf das traumabezogene Bild gerichtet.

Während Sie bisher evtl. die Erfahrung gemacht haben, dass Ihr traumatisches Ereignis mit permanenter Anspannung und einer inneren Überflutung durch Bilder und Gefühle verbunden ist, machen Sie nun eine alternative, korrigierende Erfahrung. Dies “merkt” sich das Gehirn. Man kann sich also vorstellen, dass ein recht starrer Komplex an Bildern, Gefühlen, Gedanken und Verhalten, der sich rund um das traumatische Ereignis entwickelt hat, aufgebrochen und flexibilisiert wird. Sie machen die Erfahrung, dass Sie trotz ihres Erlebnisses in Sicherheit sind und neben den belastenden Erinnerungen eine Vielzahl von Gefühlen möglich ist und zugelassen werden kann, ebenso wie Gedanken – negative, aber auch positive.

Wer führt EMDR in Dortmund durch?

Bei ausreichender psychischer Stabilität können Betroffene Psychologische oder Ärztliche Psychotherapeutinnen (w/m/d) bzw. Fachärztinnen (w/m/d) aufsuchen, die eine Zusatzqualifikation in EMDR erworben haben.

Für Menschen, die im Laufe einer ambulanten Behandlung nicht stabilisiert werden können, sind EMDR-Therapien in einem teil- oder vollstationären Behandlungsrahmen sinnvoll. Das teilstationäre Setting bedeutet ein “Krankenhaus ohne Betten”. Man wird ebenso intensiv und berufsgruppenübergreifend behandelt, schläft aber zuhause und verbringt dort auch die Wochenenden. Für Traumapatientinnen und -patienten sollten daher zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Wohnortnähe und ein sicherer Ort zuhause. Sollte eine dieser Bedingungen nicht gegeben sein, empfiehlt sich eine vollstationäre Behandlung, also mit Krankenhausbett.